BUCHBESPRECHUNGEN

 

NERO BRANDENBURG - der alte RIAS Dino

 

Ja wirklich, ein Buch und NEU!!!! Aber mal ehrlich, würden Sie solch ein Buch kaufen wollen? In jeder Buchhandlung würde es, wenn es denn überhaupt in die Auswahl genommen werden würde, mit Sicherheit ganz weit hinten, unten oder sonstwo stehen.

 

Aber darum geht es ja überhaupt nicht, denn DIESES Buch ist in keiner Buchhandlung zu kaufen, dennoch will ich es hier beschreiben und anpreisen!!! Warum ?

 

Es ist ein Stück, ein Stück Berlin!!!

 

Ein Stück Berlin, aufgeschrieben von Erhardt Rothe, einem Berliner der in den 50er Jahren geboren wurde, und der dieses Buch „vornehmlich für mich persönlich gegen das eigene Vergessen“ geschrieben hat. Kindheitserinnerungen, Jugenderinnerungen aus der „Sturm und Drang-zeit“ und Resümees über eine Zeit mit einer ganz eigenen Jugendkultur deren wichtigster Faktor die Musik war.

 

Und das beginnt mit dem Rock´n Roll. Wie bei vielen anderen auch. Hinzu kamen die (neuen) Medien: Radio und Fernsehen - hatte man ja vorher noch nicht. Das Radio machte den Anfang; ein Transistor Kofferradio war 1964 der Höhepunkt, man wollte ja auch „unterwegs“ nichts auslassen. Schallplatten zu kaufen, war damals ja schon fast ein MUSS! Rothes 1. Langspielplatte war die HÖR ZU/Electrola HZE 128 –eine schrille Mischung aus Catarina Valente, Gitte und Rex, Manuela, Paul Ankau.v.a. Ein  Transistor-Radio ein weiterer Höhepunkt (wem sagt den das heutzutage noch etwas?). Radio Caroline machte ihn mit den Beatles, Rolling Stones bekannt und Rothe resümiert: „Der Beat und der Rock´n Roll führten noch das Dasein eines Lückenbüßers, aber mit einer Kraft und Rohheit, die zu gewaltig war für die Mauern der regionalen Szenen und diese an allen Fronten zum einstürzen brachten.

Natürlich wurde die BRAVO zur Lieblingslektüre. Zitat: „Die BRAVO war das <<Grüne Blatt>> für die jüngeren Semester. An weiteren Informationen war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so interessiert.

“Zeitsprung: 3. März 1967: Der Sender Freies Berlin startete ein Jugendprogramm „sf-beat“, immer von 18:30 bis 19:30 Uhr täglich ausser sonntags. Der RIAS-Treffpunkt kam später im Oktober 1968.

Eine andere Farbe im musikalischen Berlin waren die Folklore-Clubs;

GO-IN und der Steve-Club an vorderster Stelle. Ausführliche Schilderungen über diese Etablissements, wie sie nur ein wirklicher Fan von sich geben kann, sind Bestandteil der Schilderungen.

Wen wunderts, das er nicht nur über Musik schreibt, sondern auch noch Musik macht. Zitat: Die schönsten Erfahrungen, die ich in der Musik

gemacht habe, bestehen darin, selber zu musizieren, und das schon seit nunmehr weit über 40 Jahren.

Wenn  ich jetzt hier weiter schreibe, dann schreibe ich das gesamte 448 Seiten starke Buch ab, so interessant ist es wirklich!!! Es ist nicht nur ein Buch über einen Menschen, der die Musik liebt und in Berlin zu Hause ist – es gibt eine Lebensstil eines jungen und dann heranreifenden Menschen wieder, der sich selbst, der Musik und der Kultur dieser Stadt treu geblieben ist.

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RAINER KATLEWSKI im FOLKER 03.2013

 

Wenn man den Titel dieses Erinnerungsbuches liest, könnte man meinen, ein Musiker habe sein Leben beschrieben. Doch der Autor hat seine Brötchen überwiegend als Bankangestellter verdient. Aufgewachsen ist er in dem sehr speziellen Biotop des alten Westberlins. Hier hat er beginnend bei den Schlagern der Woche im RIAS und später in den legendären Folkclubs, seine Liebe zur populären Musik entdeckt. Das Sammeln von Schallplatten (reichlich im Buch dokumentiert), der Besuch von Konzerten und das Losklimpern auf der Gitarre kamen dazu. Jetzt ist er Anfang sechzig und hat sein Leben vor allem gegen das eigene Vergessen festgehalten. Ist das für einen fremden Leser interessant? Nur sehr bedingt. Einiges kennt man aus dem eigenen Leben wieder, eine Reihe Details kann man überlesen und viele Beschreibungen und Urteile sind oberflächlich,manche sogar befremdlich. Es bleibt ein vager Blick in ein fremdes Leben mit seinen Prägungen, Entwicklungen und Wendungen.

 

Stellungnahme zu der Kritik:

 

Liebe Redaktion,

 

danke dafür, dass Ihr die Rezession über mein Buch „Leben mit Musik“ von C (FOLKER 03.13) veröffentlicht und damit auch der Kritik eines im Eigenverlag, von einem unbekannten (musikbesessenen) Autors herausgegeben Buches etwas Öffentlichkeit verschafft habt.

Zu der Kritik, möchte ich folgendes bemerken:

Natürlich wird mein Leben fremde Leser nicht interessieren. Nur, es geht auch nicht um mich. Es geht um das von Rainer Katlewski so wunderbar bezeichnete „sehr spezielle Biotop des alten Westberlins“. Es geht um das erzwungene Experiment Berlin (West), zu einer Zeit als die populäre Musik explodiert und die Jugend sich auf eine Reise macht, an deren Ende eine bis dahin kaum gekannte Selbstbestimmung mit eigener Mode, eigenen  politischen Ansichten und eigener Musik steht. Es geht um das Leben in dieser Stadt und um die vielen Musikerinnen und Musiker der damaligen Szene, die einen großen Anteil an der Entwicklung hatten, über die der FOLKR noch immer mit sehr viel Engagement berichtet. Mag man zu diesem Biotop stehen wie man will, es war besonders imkulturellen Bereich der „Kleinkunst“, einzigartig.

Schade, dass diese Sichtweise in der Kritik nicht zum Ausdruck kommt.

 

Liebe Grüße

Erhardt Rothe